Kippeln ist gesund
Pressemitteilung der BAG
Wiesbaden, 30. März 2009. Nun ist es wissenschaftlich belegt: Was Schüler in der
Schule jeden Tag praktizieren und was viele Lehrkräfte stört, ist in Wirklichkeit ein
natürliches und gesundes Verhalten. Das Kippeln wie auch das unruhige Hin- und
Herrutschen auf dem Schulstuhl dient dem körperlichen und geistigen „Überleben“ des
Kindes während des Unterrichts. Zum einen hilft dieses "lebendige" Sitzen, den
statischen Druck auf den kindlichen Rücken zu verringern, welcher sich ungünstig
sowohl auf dessen Körperhaltung, den Atmungsrhythmus als auch die Funktion der
inneren Organe auswirkt. Zum anderen stärkt lebendiges Sitzen auch die
Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit während des Unterrichts. Dauersitzen auf
starren Sitzmöbeln dagegen schadet dem Rücken und dem Lernerfolg nachweislich.
Hauttemperatur bringt es an den Tag
In mehreren Versuchsreihen wurden Schüler der Klassenstufe 8 (Durchschnittsalter 14
Jahre), die während des Unterrichts auf unterschiedlichen Schulstühlen sitzen mussten,
auf Veränderungen bei der Hautdurchblutung im Oberkörperbereich untersucht. Hierzu
wurden in regelmäßigen Abständen thermografische Fotos des Oberkörpers gemacht.
Während ein Teil der Jugendlichen auf modernen Schulstühlen saß, die über eine
dreidimensional bewegliche Sitzfläche verfügen und ein Wippen bzw. die Neigung der
Sitzschale nach vorne, hinten oder zur Seite erlauben, saß eine Kontrollgruppe auf
herkömmlichen, starren Sitzmöbeln.
Es zeigte sich, dass die Oberkörpertemperatur der Schüler auf den statischen Stühlen
deutlich abfiel. Im Gegensatz dazu stieg der Wert der Schüler, die auf den Stühlen mit
beweglicher Sitzfläche sitzen konnten, signifikant an. Insbesondere im Bereich der
Bauch- und Brustmuskulatur war die Entwicklung der Hauttemperatur sehr gut zu
erkennen.
"Wir interpretieren die Zunahme der Hauttemperatur als Zunahme der Durchblutung der
Haut bzw. der darunter aktivierten Muskeln", so Dr. Dieter Breithecker, einer der
Autoren der Studie. "Während beim starren Sitzen die typische Bürohaltung mit nach
vorne geneigtem Oberkörper und vorgezogenen Schultern gefördert wird, die zu einer
Abnahme der Atemtiefe sowie zu mangelnder Durchblutung und in der Folge zu einer
Abnahme der Konzentrationsfähigkeit führt, konnten wir beim dynamischen Sitzen das
Gegenteil beobachten: Durch die ständigen Positionswechsel über große Amplituden als
auch über Mikrobewegungen wird die Sitzhaltung ununterbrochen variiert, was sich auf
die Gesundheit und Leistungsfähigkeit positiv auswirkt."
Gesunde Bewegungsunruhe ist absolutes Muss
Das lebendige Sitzen auf ergonomischen Möbeln liefert einen guten Beitrag zur
Vorbeugung von Haltungsschwächen und zur Förderung von Aufmerksamkeits- und
Konzentrationsfähigkeit in der Schule. Den zunehmenden Sitzzeiten Rechnung tragende
ergo-dynamische Freizeit- und Schulstühle vermeiden eine dauerhaft nach vorne
gebeugte statische Haltung. Durch die ständige Bewegung von Hüfte und Oberkörper
wird weder ein statischer und ungünstiger Druck auf das Brustbein ausgeübt, noch
werden die inneren Organe in ihrer Funktion eingeschränkt. Ein weiterer Vorteil von
ergo-dynamischen Möbeln: Die Gefahr, dass Schüler beim Kippeln auf starren Stühlen
überkippen und sich verletzen, entfällt.
Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung
Die Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V. (BAG)
wurde 1961 von Lehrkräften, Ärzten und Eltern gegründet. Als gemeinnützig
anerkannter Verein setzt sie sich für die Förderung einer gesunden Bewegungs- und
Haltungsentwicklung von Kindern und Jugendlichen ein. Sie will mit kindgerechten,
sinnstiftenden Bewegungs- und Gesundheitskonzepten dazu beitragen, dass sich deren
körperliche, kognitive, emotionale und soziale Ressourcen optimal entfalten können. Zu
den wesentlichen Zielen zählt eine kontinuierliche Aufklärungsarbeit sowie die
flächendeckende Fortbildung von Multiplikatoren wie Eltern, Lehrer und Erzieher.
Die BAG unterliegt der direkten Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend. Den größten Teil ihres Haushalts erwirtschaftet sie jedoch mit
eigenen Projekten sowie Beratungsleistungen für die freie Wirtschaft.
Weitere Informationen sowie Bildmaterial, insbesondere zur Studie, senden wir Ihnen auf
Anfrage gerne zu. Details zur Studie können u.a. auf www.haltungundbewegung.de/ im
Volltext eingesehen werden.
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Ansprechpartner für diese Pressemitteilung
Dr. Dieter Breithecker
Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung e.V. (BAG)
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